Alle Millionäre?


                Keinem von jenen, die im Internet mit guten Ideen und Produkten schon viel Geld verdient haben, neide ich auch nur einen Cent. Allerdings angesichts dessen, was ich eben erst erlebt habe, erlaube ich mir einige Bemerkungen. Zum Überdenken. Zuerst zu den Erlebnissen.

                Zurzeit bin ich in Lugansk, einer ostukrainischen Stadt. Sie hat industriellen Hintergrund seit ihrer Gründung – im Prinzip um eine Stahlgießerei herum. Während die Eisenvorkommen erschöpft sind, gibt es in der Nähe noch Steinkohleabbau. Wir sind mit zwei anderen Kollegen dabei – ich als Dolmetscher – eine aus Deutschland eingeführte Spezialmaschine in einem hiesigen Industriebetrieb mit erforderlichen Konstruktionselementen zur ergänzen. Die Arbeit ist sehr aufwändig – bei Konstruktion nach anderen Vorgaben und Vorüberlegungen wäre sie vielleicht unnötig gewesen.
                Eines der Elemente war extrem lang – es einzukürzen wäre möglich gewesen, hätte die Effektivität der geplanten Änderung aber verringern können. Deshalb eine Beratung mit dem Kranführer und der Gruppe ukrainischer Arbeiter, welche die Einsenkung des Bauteils mit zu begleiten hatten.
                Aus den vielen Vorschlägen kristallisierten sich alle jene heraus, die sinnvoll und machbar erschienen. Auch da gab es Korrekturen durch die Praxis – aber der Kranführer des Autokrans brachte mit gefühlvoller Millimeterarbeit das 2,85 m lange und etwa 800 kg schwere Kreuzstück über die Öffnung, in welche es versenkt wurde. Dabei hätte er leicht das Hallendach von innen abdecken oder schon existierende, wesentliche Aufbauten der Spezialmaschine beschädigen können… Auf den Gesichtern aller Beteiligten erschien das Lächeln der Erleichterung und des Stolzes auf das „Wir haben es doch geschafft!“ Wir drei bedankten uns vor allem beim Kranführer.

                Alle ukrainischen und deutschen Mitarbeiter könnten sich bessere Arbeitsbedingungen und Löhne vorstellen. Viele gehen auch mit, wenn der Ruf erklingt, sich selbständig und auch finanziell unabhängig zu machen. Also lange durchschlafen, arbeiten nach Lust und Laune sowie ohne Chef, mehr verdienen, mehr Zeit für die Familie oder Hobbys, Urlaub mehr und öfter und was alles sonst im Internet noch angepriesen und versprochen wird.
Nur steht dann die Frage Bertold Brechts im Raum: „Wer baute das siebentorige Theben?“

Auch im eigenen Traumhaus auf Mallorca gibt es keine Croissants mehr zum späten Frühstück nach dem ausgiebigen Schlaf, wenn der Bäcker auch länger schläft und an Stelle von frischen Backwaren  im Internet das Coaching zum Brötchen-Selbstbacken verkauft. Kein Luxuswagen wird mehr repariert – die Mechaniker werden reich durch Videokurse über Selbst-ist-der-Mann bei der Porsche-Reparatur… Wenn wir alle zu Internet-Dienstleistern mit extrem hohen Bezügen werden, müssen die Gelddruckmaschinen in drei Schichten laufen – 7 Tage in der Woche. Manche Dinge werden dann klarer, wenn man sie ins Extreme steigert.

Wer sich auf einen Internet-Geschäftsversuch einlässt, muss sich im Klaren darüber sein: es ist ein Vorgang wie an der Börse – du riskierst allerdings mit wesentlich geringerem Einsatz als bei einer Unternehmensgründung auf übliche Weise, kannst bei genauerer Einsicht, erworben durch eigenen Fleiß und gute Berater wirklich großen Gewinn machen. In anderem Falle machst du jene zu Millionären, welche deine Verluste als Teil ihres Gewinns mit einfahren.

                Einer meiner Brüder ist ein begnadeter Handwerker. Er findet die Welt im Wesentlichen in Ordnung so, wie sie ist. Geld im Internet zu verdienen fiele ihm im Traum nicht ein. Er hat da den Stolz jener, von denen man sagt: „Sie haben es mit ihrer Hände Arbeit geschaffen.“ Und wenn es die Laube im Schrebergarten ist. Er hat bei einer Gelegenheit einmal gesagt: „Komm du Maulwerker mal an meine Drehbank. Da sehen wir, wer wen!“ Von seiner Art waren heute und sind in Zukunft alle jene, die uns bei unserer Aufgabe hier geholfen haben. Das sind auch alle, welche weiter Haare schneiden, Kartoffeln oder Reis anbauen, iPhones montieren oder Lokomotiven durch die Nacht fahren. Die nicht laut rufen: „Werte Millionäre, kommt zu uns an die Werkbank.“ Denn dann werden die geschäftstüchtig durch Automatisierung verringerten Arbeitsplätze noch weniger – selbst wenn mancher der Genannten bei Test auf berufliche Brauchbarkeit ausgesondert würde…

                Es gibt unter allen, welche gute Geschäftsideen zugkräftig im Internet vermarkten auch jene, die ehrlich formulieren, dass sie die Dienste dritter gegen Bezahlung einsetzen. Das können auch im eigenen Internet-Unternehmen beschäftigte Mitarbeiter sein. Sie überzeugen mich mit einer sachlich stimmigen Kosten-Nutzen-Rechnung. Dabei wird von ihnen auch erwähnt, dass Dienstleistungen aller Art sehr preiswert zu bekommen sind. Die Dienstleister also kaum Millionäre werden.
Es bleibt zu wünschen, dass die genannten abhängig beschäftigten Personen ebenso wie ihr Arbeitgeber leben – wovon ich nicht überzeugt bin… Sie werden rechtzeitig aufstehen, pünktlich auf der Arbeit sein müssen, den Weisungen eines – vielleicht auch guten – Chefs nachkommen dürfen, Freizeit und Urlaub  nicht nach eigenem Wunsch organisieren können…

Es im Internet nicht zu versuchen ist auch kein Ausweg. Eine beliebige Chance kann zu „der Chance“ werden. Für Selbstverwirklichung und ein bescheidenes Zusatzeinkommen.

Bleiben Sie recht gesund!

Ihr

Siegfried Newiger







                

Nach dem Sonntagsspaziergang


Eigentlich hatten wir, um Zeit zu gewinnen, am Sonntag wenigstens sechs Stunden arbeiten wollen. Die zusätzliche Montage einer Baugruppe an eine bereits in Betrieb gegangene Maschine ist extrem zeitaufwendig. Allerdings konnte der Auftraggeber aus innerbetrieblichen Gründen unserem Wunsch nicht nachkommen. Also baten wir seine unverheiratete Sekretärin, welche einige Zeit offiziell in Deutschland gearbeitet hatte, uns die Besonderheiten ihrer Heimatstadt zu zeigen. Etwas verschämt meinte Julia, sie habe einen Haushalt – sie lebe mit einem Lebensgefährten zusammen. Bei ihnen wäre das Wochenende schon verplant. Also war der Ball wieder bei mir.
                Deshalb gingen wir drei am Sonntag nach dem relativ spät eingenommenen Frühstück zum Zentralmarkt. Auf einer Parkallee in seiner unmittelbaren Nähe war „Vogelmarkt“ – die Bezeichnung für privat eingerichtete zeitweilige „Verkaufsstände“, an denen allerlei junge Haustiere – vorwiegend Hunde und Katzen – verkauft werden. Ab und an auch Jungvögel.
            Dort saß zu meinem Erstaunen Xenia, ihre kleinen Kätzchen anbietend. Wir begrüßten uns freundschaftlich – von meinen Kollegen erst einmal etwas befremdet registriert. Als sie ihnen auch die Hand reichte – hier ein Vorrecht der Frauen, das ich meinen Mitstreitern schon erläutert hatte – waren sie angenehm überrascht.
                An einem Obststand wurde ich von den beiden Verkäuferinnen – Schwestern – wie ein lieber Freund begrüßt, da ich bei ihnen zu jedem Besuch in Lugansk immer meine täglich zu verzehrenden Äpfel kaufte. Erneut eine erstaunte Reaktion der beiden Herren.
               Endgültig kamen die Männer zu der Auffassung, dass ich ein unverbesserlicher „Weiberheld“ sei, als im Fischpavillon eine Verkäuferin mit mir ein freundschaftliches Gespräch begann mit dem Hinweis darauf, dass sie wieder so schmackhaften Räucherfisch im Angebot hätte, von dem ich beim vorigen Besuch ein Stück gekauft hätte.
                Die an orientalische Basare erinnernde unangenehme Enge zwischen den Verkaufsständen, die eintönige Vielfältigkeit des Angebots, das intensive Aushandeln von Preisen – alles in Deutschland nicht so zu beobachten. Aber auch die offensichtlich damit verbundenen Probleme jener, die häufig apathisch in ihren Ständen standen oder saßen, ließ bei meinen Kollegen Fragen aufkommen.

                Auf dem Rückweg sahen wir am „Lugansker Handelshaus“ sehr gut aufgemacht Bilder zur Lugansker Geschichte, dazu die Vergrößerung aus einer Anordnung von Zarin Katharina II. von 1795 zur Gründung einer Eisengießerei am Fluss Lugan mit Schaffung einer Siedlung daselbst. Die Begründung: in der Nähe waren Steinkohlevorkommen und Lagerstätten von Roteisenerz entdeckt und Gruben in Betrieb genommen worden.

                Nach einem bescheidenen, wohlschmeckenden und für meine Kollegen erstaunlich preiswerten Mittagessen in einem äußerlich unscheinbaren Restaurant ging es ins Hotel zurück. Am Nachmittag baten sie mich, mit ihnen doch einen Spaziergang durch die nähere Umgebung zu machen, welche geprägt ist durch mehr oder weniger erhaltene Einfamilienhäuser (so genannter „Privatsektor“). Mein Einwand, dass dort nichts architektonisch Bemerkenswertes zu erwarten wäre, wurde abgeblockt: wir wollen einen Eindruck davon bekommen, wie die Menschen hier in ihrem Alltag leben. Diese Eindrücke waren vielschichtig – darunter die von den Mauern des hiesigen Untersuchungsgefängnisses. Fazit: es sind neben den Abrissobjekten solche zu sehen, die davon zeugen, dass die Bewohner in sinnvolle Reparatur und auch äußeres Aussehen investiert haben – der Schritt voraus ist zu erkennen.

                Am Montag die Arbeit am Vorhaben und der Beweis für die Findigkeit unserer ukrainischen Partner. Montierte Maschinen sind in ihren äußeren Konturen nicht unbedingt genormt. Also ist das Anheften von Blechschablonen für maßgerechte Bohrungen nicht einfach. Herkömmliche Zwingen waren zu klein. Aber man hatte von den ukrainischen Mitarbeitern den Sinn erfasst und auf eine verblüffend einfache Art „Hilfszwingen“ gebastelt, welche ihren Zweck ordentlich erfüllten. Für mich war erneut deutlich, wie helle Köpfe und geschickte, an Arbeit erfolgreich trainierte Hände die technischen Wunder vollbringen, auf denen moderne Produktion beruht. Durch welche Produkte entstehen, die von deren Verbrauchern nicht selten ohne Achtung vor der darin steckenden fachlichen, also intellektuellen und körperlichen Leistung genutzt werden.

Bleiben Sie recht gesund!

Ihr

Siegfried Newiger







Weibliche Logik

          Mein Freund Valentin schickte mir diese nette Geschichte zum Sonntag - ich gebe sie übersetzt weiter.


Die Lehrerin für Französisch erklärte ihrer Klasse, dass im Französischen die Hauptwörter (Substantive) unterschiedliche Artikel bekommen in Abhängigkeit von ihrem Geschlecht – weiblich oder männlich.
Einer der Studenten fragte, welches Geschlecht das französische Wort für Computer habe, ist es weiblich oder männlich? Denn im Wörterbuch wäre es nicht zu finden.
Um ein wenig zu scherzen, teilte die Lehrerin die Klasse in den weiblichen und männlichen Teil mit der Aufgabe, das Geschlecht des Wortes zu bestimmen. Die Auswahl sei mit vier überzeugenden Behauptungen zu begründen.

Die männlichen Teilnehmer entschieden, das Wort sei weiblich. Ihre Begründungen:
1.       Niemand versteht ihre innere Logik, außer denen, welche sie schufen.
2.       Die Sprache, in der sie untereinander reden, ist allen Anderen unverständlich.
3.       Sie behalten kleinste Fehler im Gedächtnis für zerstörende Anwendung.
4.       Kaum hat man einen Computer bekommen, geht die halbe Löhnung für Accessoires drauf.

Die Studentinnen entschieden, das Wort sei männlich.
1.       Um seine Aufmerksamkeit zu erregen, müsse man ihn „anmachen“.
2.       Er speichert in seinem Hirn viele Informationen, handelt aber hirnlos.
3.       Er wurde zur Lösung von Problemen geschaffen, ist aber meistens selbst das Problem.
4.       Wenn sie einen haben, verstehen sie, dass sie mit ein wenig Warten das bessere Modell hätten bekommen können.

Die Studentinnen gewannen.      

Bleiben Sie recht gesund!

Ihr

Siegfried Newiger





Gemopst...

          Es war der erste Tag  meiner wie immer sachbezogenen Visite in Lugansk (Ostukraine) Meine deutschen Schutzbefohlenen waren für die Nacht angekündigt - per Flugzeug nach Donetsk. Von dort mit Auto der ukrainischen Firma hierher - Ankunft weit nach Mitternacht.

          Schon auf der Zugreise hatte ich mich bei Stöbern in meiner Visitenkartenbox mit einer Karte besonders beschäftigt. Irgendwann, etwa vor acht Monaten, hatte ich auf merkwürdige Weise im Zug ein Ehepaar kennen gelernt. Sie hatte auf meinem Laptop aus einiger Entfernung eine Fotografie unseres Alabai Athos gesehen und war herangekommen, das Tier zu bewundern. Dann sagte sie etwas, das mich zum lauten Lachen reizte: "Ja Mopsicha." - auf deutsch: "Ich bin Mopsfanatin." Allerdings ist der Wortteil "Psicha" im Russischen als "Psich" die Bezeichnung für einen Verrückten. (aus dem Bereich Psychologie als verkürztes Lehnwort übernommen). Die reizende Frau sich als verrückt vorzustellen fiel mir schwer.
          Es stellte sich heraus, dass sie und ihr Mann Architekten sind, allerdings nicht im Beruf tätig. Ein eigenes Häuschen endlich kaufen konnten, an dem sie sich mit Sachkenntnis "austoben". Wir kamen, weil ich kurz zuvor auf dem Hundertwasser-Bahnhof Uelzen gewesen und beeindruckt war, auf jenen zu sprechen. Schließlich bekam ich die Visitenkarte mit der Einladung, bei Besuch in Lugansk anzurufen, um bei ihnen auch Gast zu sein.

          Als Xenia mich erkannt hatte, erfolgt prompt die Frage: "Wann werden sie in ihrer Freizeit bei uns sein?" Da die zu betreuenden Mitarbeiter kein Wort Russisch können, war "Amme rund um die Uhr" angesagt. Ich hatte nur gestern noch Freizeit. Wir verabredeten uns - beide holten mich am Hotel ab. Ich übergab der Hausherrin ein Sträußchen, dem Hausherrn, wie in der Ukraine bei einem Erstbesuch üblich  ist, ein Brot und anstelle einer Flasche mit Alkohol eine Tafel Bitterschokolade.
          Wir kamen zu einem deutlich im Umbau befindlichen unverputzten Haus. Xenia zeigte mit ihr gut bebautes bzw. auf Anbau von eigenem Gemüse vorbereitetes und mit Halbstamm-Obstbäumen ordentlich bepflanztes Grundstück. Im Haus empfingen uns vier sehr bewegliche Mopsdamen und sieben Katzen - der Nachwuchs etwas später als die neugierigen Muttis. Trotz dieser Fülle an Lebewesen nicht eine einzige "Duftspur".
          Nachdem ich auch noch den 21-jährigen Sohn (Silbermedaillengewinner der Europameisterschaften im Kampfsport ohne Regeln) und seine 16-jährige, etwas zurückhaltende Schwester kennengelernt hatte, wurden wir zu Tisch gebeten. Xenia machte mich darauf aufmerksam, dass sie die Fastenzeit einhielten - weniger aus religiösen, sondern aus gesundheitlichen Gründen. Ob ich damit Probleme hätte?
          Die ukrainische und auch die russische Kirche leiten 50 Tage vor Ostern  das sogenannte "große Fasten" ein - bis zu ihrem Osterfest (das nur selten mit dem in Westeuropa nach den Datum zusammenfällt, weil diese Kirche nach dem julianischen Kalender rechnet). In der Fastenzeit werden ausschließlich vegetarische Speisen auf den Tisch gebracht - um den Körper zu entlasten, wie es heißt.
          Xenia war beruhigt, als sie gesagt bekam, dass ich auf Fastenkost neugierig sei. Was da an vor allem selbst gekochten, gedünsteten, gebackenen Speisen auf den Tisch kam, überraschte mich in seiner Vielfalt und besonders mit Wohlgeschmack. Mit dem im Querschnitt dreieckigen Schwarzbrot hatte ich originell sein wollen und vor allen sichern, dass ich nicht unbedingt Weißbrot essen musste. Da stellte sich heraus, dass die Brotsorte von der Hausfrau besonders bevorzugt wurde. Ein Schuss ins Dunkle mit Volltreffer - etwas ungewöhnlich.
          Als mir dann plötzlich auch noch eine hübsche Katze mit einer sonderbaren Vorgeschichte zu Verwunderung der Familie auf die Knie sprang, um ihre Nase an meiner zu reiben, war der Abend besonders gelungen. Ich erfuhr, dass dieser Vorzug mir als einziger Person aus ihrem Bekanntenkreis gewährt würde, was die Tischgesellschaft erstaunte. Das hübsche, gepflegte Tier saß danach, ohne zu betteln, etwa eine Viertelstunde bei mir. Ich hatte Xenia gebeten, es nicht zu verjagen. Das wurde akzeptiert, wenn auch nicht gerade wohlwollend.
         
          Wir haben mit ein ganz wenig Kognak, von dem Wadim nur einige Tropfen nippte, uns drei Stunden lang angeregt, ja glänzend unterhalten. Ich bekam auch eine schlüssige Antwort auf die Frage bezüglich der Ausweise beim Kauf von Fahrkarten und beim Einstieg in den Zug. Es ginge darum, die Leute auszubremsen, welche sich mit Aufkauf von Fahrkarten eine Verdienstmöglichkeit geschaffen hatten. Wer unbedingt fahren will oder muss ist bereit, für einen gültigen Fahrschein etwas mehr zu zahlen, wenn ihm jener in der Nähe der Kasse als  "bei mir übrig geblieben" angeboten wird.

        So kam es durch eine Eisenbahnbekanntschaft zu einer freundschaftlich beginnenden Beziehung.

Bleiben Sie recht gesund!

Ihr

Siegfried Newiger






         

       

Wieder Lugansk...


Bei den regen Reisen ukrainischer Bürger im Lande ist es zu bestimmten Zeiten sehr kompliziert, auf Langstrecken per Flugzeug ein Ticket zu bekommen, eine Fahrkarte für die Eisenbahn ebenfalls. Da helfen manchmal nicht einmal gute Verbindungen. Den weit entfernten deutschen Geschäftsleuten, gewöhnt an fast reibungslosen Flug-, Bus- und Bahnverkehr fällt es schwer, sich in die Situation des Dolmetschers zu versetzen, welcher so früh wie möglich die Terminvorgaben braucht. Um unter genannten Bedingungen rechtzeitig vor Ort sein zu können. Auch diesmal gab es die Abreiseinformation auf den letzten Pfiff.
Die erste Änderung in einem seit Jahren gewohnten Ablauf: nur mit Mühe und Vitamin „B“ bekam meine Frau am Schalter im Bahnhof Belaja Zerkov doch auf meinen Namen ein Billet nach Lugansk. Der Rückweg in die sowjetischen Zeiten: Fahrkartenkauf nur gegen Ausweisvorlage.
Am nächsten Tag die Abreise nach Kiew. Am Busstand ein Kleinbus, etwa zu einem Drittel besetzt. So bekam ich meinen bevorzugtes Sitzplatz: ganz vorn in der Reihe mit den Einzelsitzen. Da kann ich meine langen Beine ordentlich ausstrecken. Das behinderte linke Knie schmerzt dann nicht. Nach einer halbe Stunde wurde ich unruhig. Wir hatten relativ viel Zeitreserve eingerechnet – aber nicht damit, sie gleich zum Teil aufzubrauchen.  Meine Frau hatte mich begleitet und fragte den Fahrer, ob wir auch wirklich zum Hauptbahnhof fahren würden und wann endlich. Er antwortete phlegmatisch. Da kam ein ungeduldiger, vielleicht durch eine Abfahrtzeit gedrängter Passagier aus dem Bus und begann einen Streit um die Abfahrtzeit. Der Fahrer verteidigte sich ruhig. Er sei vor genau 35 Minuten vorgefahren. Laut Festlegung dürfe er, wenn der Kleinbus voll Passagiere ist, sofort abfahren. Andernfalls aber erst nach 40 Minuten und mit Benachrichtigung des Dispatchers. Eine Frau, die aus gleichem Grund ausgestiegen war, machte ihrem Unmut ebenfalls, aber schon ungezielt Luft. Auf der Fahrt bewies der ruhige Fahrer allerdings Klasse bei Umfahren der dank diesem langen und harten Winter reichlichen Frostaufbrüche mit kaum gedrosselter Geschwindigkeit bei etwa 100 km/h.
Was wir nicht vorausgesehen hatten: der Einstieg in den Zug erfolgte auch erst nach vorzeigen eines gültigen Ausweises. Der war zwar griffbereit – aber die Prozedur erinnerte doch sehr an Zeiten stark eingeschränkter Freizügigkeit in der ehemaligen Sowjetunion. Die nette Schaffnerin sah das nicht anders.
Im Abteil hatte ich eine etwa 30 Jahre junge, sympathische Frau als einzige „Begleitung“, welche jedoch nur bis in die Stadt Sumy mitfuhr. Von ihr erfuhr ich noch eine Besonderheit. Am Dienstag hatte man ihr gesagt, dass der Zug ausgebucht sei. Eine Bekannte riet ihr, die Fahrkarte bis zur Station nach Sumy zu kaufen. sie hätte die Erfahrung gemacht, dass aus ihr unbekannten innerbetrieblichen Gründen der Verkauf solcher Fahrkarten mit Vorteilen für den Mitarbeiter verbunden zu sein schien. Angelina, so hieß die junge Frau, ging am nächsten Morgen so vor wie ihr geraten – und bekam ihre Fahrkarte.

Dass man nicht nur in der Ukraine damit rechnen muss, Besuch von Langfingern zu bekommen, ist klar. Weil ich gegen 20.30 Uhr nach Abschied von Angelina und Forderung des persönlichen Biorhythmus mich schlafen legte, war das eine. Allerdings hatte ich vorher alles was Interesse von Dieben hervorrufen konnte, im Gepäckkasten unter meinem Sitz verstaut.
Wer ukrainische und russische Liegewagen nicht kennt – hier eine Beschreibung. Die Abteile der K-Waggons (so auf dem Ticket ausgewiesen) sind für vier Personen vorgesehen. Vier leicht gepolsterte, mit Kunstleder überzogene Liegen auf jeder Wandseite, alle in die Schräge hochklappbar. Die oberen, um am Tag ungehindert normal nebeneinander sitzen zu können, die unteren, um in einen stabilen Kasten von etwa 60 % Länge der Sitzbank diebstahlsicher wertvolles Gepäck unterzubringen. Der Rest freier Stauraum. Unter dem Fenster ein kleiner Tisch, an welchem abwechselnd je zwei Personen ihre Vorräte ausbreiten und essen können. Gewöhnlich sitzen da aber alle 4 um eine überladene kleine Fläche herum, sich gegenseitig zum Zulangen aus ihren eigenen hausgemachten Speisen einladend.
Zum Schlafen werden auf diese beschriebenen Unterteile dicke Matratzen gelegt, welche zusammengerollt mit je einem Kopfkissen in einer Art Gepäckablage verstaut sind. Im Ticketpreis sind die saubere, plastikverpackte Bettwäsche und ein Handtuch enthalten.
Das Abteil hatte ich innen verriegelt, schlief bis etwa 3 Uhr in der Frühe. Dann wollten die Flüssigkeiten gebieterisch ihr Recht. Auf dem Gang zur Toilette keine Menschenseele. Nach Rückkehr wollte ich den trockenen Rachen befeuchten. Die auf den Boden zwischen die Tasche mit Esswaren und Gepäck gelegte Flasche Trinkwasser war nicht da. Meine Vorräte lege ich nach Möglichkeit auf den Fußboden, weil es dort am kältesten ist – kühl selbst im Sommer. Die Flasche war auch nicht weggerollt, wie ich nach dem Einschalten des Deckenlichts sehen konnte. Stibitzt. Aber nicht in der „Pinkelpause“. 
Ich war nämlich gegen 23 Uhr kurz munter geworden, weil es im geschlossenen Abteil stickig wurde. Hatte also die Tür geöffnet, einen großen Schluck getrunken und mich wieder hingelegt. Erwachte erst, als wir nach eine halben Stunde Charkow erreicht hatten und das Türenschlagen Aus- bzw. Einstieg Reisender verkündete. Nach Abfahrt verschloss ich die Tür wieder, ohne meine Wasserflasche zu suchen. Nur so konnte man mir vorher die Flasche regelrecht „unter dem Hintern mausen“. Der Dieb konnte darin getarnten Wodka vermutet haben. Soweit die Theorie. Denn seit einiger Zeit wird der Genuss von Alkohol in Zügen recht streng geahndet. Dadurch ist viel Unangenehmes aus dem Reiseverlauf verschwunden – allerdings auch ein wenig „Kolorit“.
  Angenehm war, dass die Schaffnerin schon gegen 5.30 Uhr bereit war, mir ein Glas.heißen Tee zu servieren. Ich hatte das Glück, dass unweit von der Tür ein Stecker für Elektrogeräte vorhanden war. So konnte ich den Laptop anschließen und diesen Erlebnisbericht ohne Zeitverlust schreiben. Und da kam plötzlich meine Wasserflasche von irgendwoher unter dem Sitz hervor gerollt. Also: mir wurde nichts gestohlen – auch nicht bei offener Tür. Als ich die wieder erschienene Flasche aufnehmen wollte, machte sie sich infolge einer Bewegung des Waggons davon. Ich beobachtete das jetzt genauer. Die Flasche war nicht mehr voll. Das Wasser darin reagierte mit Verzögerung auf Kraft von außen – es schwappte in der Flasche umher. So vollführte die Flasche zusammen mit dem Waggon sehr unkontrollierbare Bewegungen, Das war der echte Grund ihres Verschwindens! Ich hatte nachts nur „meine Seite“ abgesucht, überzeugt, sie dort zu finden. Sie hat scheinbar in mehr als vier Stunden eine Reise über den gesamten freien Fußboden gemacht…
Vorurteil ist selten gut.                                  

Bleiben Sie recht gesund!

Ihr

Siegfried Newiger





Doppelseitige Medaille

          Der Sohn meiner Frau und bedingt auch meiner war in Deutschland. Bei seiner Schwester und seinem zukünftigen Schwager. Warum schrieb ich: "...bedingt auch meiner..."? Biologisch habe ich mit ihm nichts gemeinsam - außer äußere Geschlechtsmerkmale. Aber fast 18 Jahre gemeinsames Leben haben Spuren an beiden hinterlassen. Immer dann, wenn die mir nicht besonders gefallen - im Haus zwei Männchen in Konkurrenzsituation um die Zuneigung von Frau bzw. Mutter - formuliere ich "Dein Sohn". Passt mir das Verhalten besser, sage ich eher "Unser Junge".
          Er kam vorgestern in der Nacht zurück und berichtete. War viel Interessantes dabei. Ein Erlebnis schilderte er so lebhaft, dass ich meine, unser Junge hat sich verhalten wie erwartet.
          Kurz nach der Landung in Kiew-Borispol machte sich die Undiszipliniertheit einiger heimischer Fluggäste bemerkbar. Trotz Aufforderung, bis zum endgültigen Stop am Platz zu bleiben, begannen sie, ihr Handgepäck aus den Ablagen zu zerren und sich (wie im Zug auch zu beobachten) in Richtung Ausstieg zu bewegen. Einer dieser "Eiligen" kam nicht recht an sein Gepäck heran und fluchte, an den Vater einer kleinen Tochter gewandt, dessen Sachen ihn störten, ganz übel. Pascha sagte dem Kerl laut: "Hallo du, benimm dich. Hier ist ein kleines Mädchen." "Wer bist du denn?" war die Reaktion. Im Kreis der Reisenden wurde es still. Unser Sohn, aus eigenem Antrieb glatzköpfig, nahm sein Handy und imitierte einen Anruf. Laut sagte er: "Valerij, sag doch den Jungs, dass sie mich am Ausgang treffen sollen. Hier gibt es zwei, denen wir Manieren beibringen müssen." Bis zum Ausstieg war wohltuende Stille - nur der Vater des Mädchens bedankte sich bei unserem Sohn.

          Am Morgen war ich auf dem Basar - Obst, Gemüse, Knochen für Hund und Kater, Brot einkaufen. Auf dem Rückweg kam ich am bereitstehenden Kleinbus nach Kiew vorbei. Eine der Frauen, die gerade einsteigen wollten, sah mich und machte kehrt. Sie rief mich an und kam auf mich zu. Die Mutter einer "Ehemaligen" unseres Sohnes. Sie wollte mir rasch erzählen, dass die inzwischen verheiratete Tochter ein Mädchen geboren habe und sie dorthin fahre, zum Besuch. Ich bat sie, den jungen Eltern meine Gratulation und beste Wünsche für die Familie auszurichten.
          Als ich vor Jahren mich mit beiden - jeweils einzeln - unterhielt, merkte ich, dass sie nie würden miteinander leben können. Sie hatte sich ein wenig "unterbuttern" lassen in der Hoffnung, ihn später etwas umlenken zu können. Als nach zwei weiteren Jahren die Beziehung zu Ende ging, hatte ich mit ihr eine letzte Unterredung. Wir schieden als Freunde. Vor drei Monate traf ich sie, schon mit deutlichem "Bäuchlein". Sie lief auf mich zu, sie umarmte mich wie eine Tochter mit den Worten: "Wie lange habe ich sie nicht mehr gesehen!" 
          Mit ihm war das damalige Gespräch ein wenig anders. Als er die "verlorenen Jahre" beklagte, erinnerte ich ihn daran, dass es in der Beziehung sicher auch Schönes gegeben habe, Sex eingeschlossen, er also Lebenserfahrung gemacht habe. Konnte zu Nachdenken anregen...

          Heute ist unser Hund Kai erstmals seit dem Winter in den Fluss gestiegen. Beginn unserer Badesaison.  Kann man hier sehen: 
http://www.youtube.com/watch?v=GYnFXzZ78BA

          Als ich vom Basar meiner Frau für 30 Eurocent (3 Hrywna) ein Sträußchen Schneeglöckchen mitbrachte, meinte sie: "Jetzt ist der Frühling da!"

Bleiben Sie recht gesund!

Ihr

Siegfried Newiger







Retter Ratte

          Im Leben gibt es erstaunliche Ereignisse. Wenn sie auch nicht immer uns selbst passieren. 

          Das Folgende geschah irgendwo im Kusbass in den 1970-ern Jahren. Der Erzähler dieser wahren Geschichte kam als junger Spezialist in die Brigade mit dem bejahrten, durchtriebenen Hauer Mitritsch. Es gab an der Brigade nichts Besonderes außer einem. In einer Schicht zerstörten die Bergleute ein Rattennest. Die erwachsene Rattenmutter und alle kleinen Tiere kamen um, außer einem. Mitritsch zog die kleine Ratte auf – gab ihr etwas Milch im Schälchen, streute in die auch ein wenig Antibiotika, als das Tierchen kränkelte. Bei dieser Sorge wuchs die kleine Ratte rasch heran, wurde zu einem großen Ratterich, Jerjoma gerufen. Jerjoma lebte sich ein in der Brigade, hatte seine eigene Portion. Er liebte Speck und frisches Brot, aß zu den Pausenzeiten mit allen.

          Die Brigade arbeitete in einem Schacht, der noch vor dem Krieg aufgeschlossen worden war, holten die Kohle fast vom Erdmittelpunkt. Einmal kam es zu einem besonderen Vorkommnis. Methangas explodierte, verschüttete den Ausgang auf etwa 200m mit dem Aufzugschacht zusammen. Einige Bergleute wurden wie Fliegen zerquetscht, die anderen konnten in die Tiefe des Stollens flüchten.
Als sie sich erholt hatten, berechneten sie ihre Chancen. Luft kam irgendwie in die Grube – aber an Wasser und Lebensmitteln war eine halbe Feldflasche Wasser geblieben und drei belegte Brote, welche seine Frau dem Mitritsch zu Mittag eingepackt hatte. Die Rettungskräfte konnten im günstigsten Fall in einem Monat zu ihnen durchkommen. Nicht vergessen – das war in den 70-er Jahren, Rettungstechnik bestand aus Kopfladern und Schaufeln wie Spitzhacken.

Alle verzagten. Plötzlich leuchteten die Augen der Ratte im Dunkeln – Jerjoma. Jemand leuctee ihn mit der Grubenlampe an – die Ratte lag auf dem Rücken und bewegte die Pfoten in Richtung auf den Einsturz. Drehte sich um, lief ein Stückchen in Richtung Einsturzstelle, warf sich wieder auf den Rücken und winkte. Dreimal. Einer der Bergleute meinte, das sei so etwas wie ein Ruf dorthin. Weil es ja besseres nicht zu tun gab, folgten sie dem Tier. Die Ratte hatte begriffen, dass die Leute folgten, drehte sich nicht mehr um, sondern lief auf das abgestürzte geröll und verschwand in einem Spalt. Die Bergleute hinterher. Der Erdspalt war gerade so hoch, dass auch der Kräftigste unter ihnen durchkam – kriechend. Etwa nach fünf Metern war zu sehen, dass die Explosion die Stollenwand aufgerissen und einen Seitengang freigelegt hatte. Wieder nicht zu Aufrechtgehen, aber zum durchkriechen. Die Ratte wartete, bis der letzte Bergmann in den Seitengang gekommen war und lief weiter. Sechs Bergleute auf allen Vieren hinterher. Krochen eine gewisse Strecke – und stießen auf eine Wand.
Hat Jerjoma uns in eine Sackgasse geführt, resümierte Mitritsch. Und er wendete mit Mühe, begann zurück in den Stollen zu kriechen. Da sprang Jerjoma auf ihn, verbiss sich in seine Hose so, dass seine Zähne das Material durchdrangen, in die Wade fassten bis aufs Blut. Mitritsch schrie vor Schmerz, aber die Ratte hing an ihm, stemmt sich mit den Hinterfüßen gegen seine Bewegung. Einer der Bergleute meinte: ob er uns zwingen will, dass wir uns heraushauen? Da er seinen Abbauhammer mit sich genommen hatte, kroch er in die Sackgasse und begann zu arbeiten. Als die ersten Schläge ertönten, ließ Jerjoma von Mitritsch ab und legte sich neben ihn. Die Dünnsten krochen zurück, holten das Werkzeug aller und nach einer Stunde etwa begann eine geordnete Aktion – Hauen und das Material zurück zur Absturzstelle schaffen.
Wie lange sie gehauen haben, wieviel Meter Abbau – keiner weiß das. Die Akkumulatoren der Lampen entluden sich – sie arbeiteten wie Automaten ohne Emotionen im Dunkeln.
Im Moment, da der Abbauhammer, die Wand durchschlagend, ins Leere flog, wunderte sich niemand, keiner konnte sich freuen.
Als man sie, zerlumpt, halb verhungert und verdurstet, jedoch lebend aus dem stillgelegten Nachbarschacht an die Erdoberfläche geholt hatte, stellte sich heraus, dass sie in zwei Wochen sechzig Meter herausgehauen hatten. In dieser Zeit hatten die Rettungsmannschaften nicht einmal den Aufzugschacht von Gestein befreien können, vor allem auch deshalb, weil es noch zwei Einstürze gegeben hatte, die Arbeit von Neuem begonnen werden musste.
Mitritsch nahm den Jerjoma mit nach Hause, wo der bis an sein Rattenende lebte. Er hatte sein eigenes kleines Häuschen, Mitritschs Frau wechselte jeden Morgen das Wasser in der Trinkschale, Speck und Brot gab es immer das frischste.
Die Ratte wurde in einem Sarg  beerdigt, speziell von einem Brigademitglied gefertigt aus bestem Holz. 
Über dem winzigen Grab steht heute noch der kleine Granitstein mit der Inschrift: „Jerjoma von 25 Menschen“.
Von allen jenen, die in den Familien der geretteten Bergleute lebten.

Bleiben Sie recht gesund!

Ihr

Siegfried Newiger





Faktor Mensch...

          Heute starb eine Frau, die vieles mutig ganz anders machte, als viele aus ihrer Umgebung das für zweckmäßig hielten. An Margareth Thatcher werde auch ich hin und wieder denken. In Zusammenhang mit zwei Zitaten. Eins behalte ich für mich.Hier ist das andere: "Wenn du willst, dass etwas gesagt wird, frage einen Mann. Wenn du willst, dass etwas getan wird, frage eine Frau."

          Vor einigen Tagen bin ich aus Moskau heimgekehrt. Dort bekam ich unter anderem eine hochinteressante Information. In einem großen Unternehmen hatte sich der neue Chefingenieur ständig mit Problemen herumgeschlagen, die mit Ausfällen von Ausrüstung zu tun hatten. Nicht nur er, sondern alle Mitarbeiter waren auf diese "Probleme" fixiert. Erst als ein Spezialist aus einem Zulieferunternehmen in einer Filiale die Frage stellte, wie sich die von dieser Fabrik gelieferten Teile bewährten, gab es eine Art "Erdrutsch". Denn nirgends, wo diese Teile eingebaut waren, wurde fehlerhafte Funktion bemerkt. 
          Dem Chefingenieur kam der Tätigkeitsbericht aus der Filiale in die Hände. Ihm fiel es wie Schuppen von den Augen. Er forderte Berichte eben zu der Ausrüstung an, die einwandfrei arbeitete. Was er vermutete, war Tatsache: niemand - auch nicht sein Vorgänger - hatte je diese Informationen unter dem Blickwinkel betrachtet, was ordentlich funktioniert, also die positive Seite gesucht und gesehen. Der Spezialist war erstaunt, als er nach gewisser Zeit zum Chefingenieur gebeten wurde und einen lukrativen Auftrag bekam.

          Als ich heute meine gute Bekannte danach fragte, ob sich denn ihre Umorientierung  bewährt habe - sie hatte als Verkäuferin einen anderen Kiosk übernommen. Sie lächelte und sagte: "Meine guten Kunden wie sie sind doch mit mir gekommen. Ist ja nur ein paar Schritte. Deshalb habe ich keine Umsatzeinbuße. Sie im ehemaligen Kiosk haben sich deshalb schon etwas einfallen lassen. Eine Aktion - zu jeder großen Flasche Bier einer bestimmten Marke  einen gesalzenen Trockenfisch als Zugabe. Der ist fast mikroskopisch klein. So wie bei Verkostungen  Ich lächele nur freundlich. Mehr Aktion habe ich nicht zu bieten, vielleicht noch einige nette Worte. Das reicht."

          Auch hier die Orientierung auf das, was gut funktioniert. Allerdings gleich von Beginn an. 

Bleiben Sie recht gesund!

Ihr

Siegfried Newiger






          

Frau Doktor...

          Weil ich Angst vor dem Zahnarzt habe, besuche ich meine Zahnärztin regelmäßig. Als ich vorgestern dort war, wollte sie wissen weshalb. Sie kenne alle meine Zähne mit Vor- und Vatersnamen (hier ein besonderes Zeichen von Vertrautheit) und könne sich nicht vorstellen, eine Schadstelle zu finden. Die zeigte ich ihr. Nach Betäubungsspritze sofort die Reparatur. So gut wie kein Schmerz, rasch und gut. Erstmals bemerkte ich, dass ihre Assistentin besonders hübsche Augen hat. Immer dann, wenn sie die Schutzbrille abnahm nach Anwendung des Lichttrockners. Logisch - unter der Brille erweitern sich die Pupillen und können nach dem Abnehmen nicht sofort auf die normale Größe zurückstellen.
          Mein Kompliment nahm sie jedoch lächelnd entgegen.

          Allerdings überraschte mich die sehr ansehnliche Zahnärztin, etwas über 60 Jahre alt und Mutter dreier Söhne mit einer Frage. Ob ich immer noch jeden Morgen mit Hund am Flussufer spazieren ginge. Sie würde sich gerne anschließen. Um etwas gegen das an der relativ klein gewachsenen Frau nicht besonders auffällige Bäuchlein zu tun. Außerdem wäre ich ein passabler Gesprächspartner und vor allem Schutz und Schirm. Ihr Ehemann würde wie meine Madam lieber noch schlafen. Für die Vorschusslorbeeren dankte ich, wollte aber doch wissen wieso.

          Sie habe allein mit dem morgendlichen Wandern begonnen. aber die ukrainischen Männer - Hundebesitzer und Angler - wären so zudringlich. Zwar nicht direkt - aber schon solche Fragen wie: "Mädchen, suchst du mich? Ich bin frei!" würde sie in meiner Begleitung nicht erwarten. Denn ich besäße unter den Kerlen Reputation, da würde ihr keiner zu nahe treten. So bin ich mit Frau Doktor verabredet...
          Was ich nachzutun empfehle - wegen der komplexen Gesundheit.

Bleiben Sie recht gesund!

Ihr

Siegfried Newiger






Schlendrian...

          Seit gut drei Wochen ist die Holzbrücke über den nahen Fluss Ros wieder begehbar. Noch stehen alle von der Stadt Belaja Zerkov aufgestellten Warnungs- und Verbotsschilder weiter auf eingemauerten Eisenträgern vor den Brückenaufgängen, sind die ebenfalls metallenen "Schranken" dem Gespött der Leute ausgesetzt. Die Ausgabe hätte gespart werden können, wären die Stadtväter rechtzeitig auf die Suche nach Sponsoren gegangen. Allerdings widerstrebt das einem Beamten. Die Regeln der veränderten Gesellschaft sind noch nicht überall angekommen. 

          Das wäre als Einzelerscheinung nicht so wesentlich, um beschrieben zu werden. Aber es gibt viel unangenehmere Versäumnisse. Da werden Straßen repariert. Die Schilder zu Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit werden aufgestellt - nach Beendigung der Arbeiten fühlt sich niemand dafür verantwortlich, sie zu entfernen. Sie machen ja keinen Kummer wie die neu aufgerissenen Löcher - die sind also vordringlich. Nach gewisser Zeit beginnen die in der Gegend wohnenden Kraftfahrer, nicht nach Hinweisschildern, sondern nach Gutdünken zu fahren. Damit ist Grund gelegt für das nächste Verkehrsopfer. Nicht, weil das zu langsam fährt. Nein, sondern weil der die Schilder missachtende das aus schlechter Gewohnheit auch dort tut, wo regelrechtes Fahren sinnvoller wäre.

Bleiben Sie recht gesund!

Ihr

Siegfried Newiger





Reiseverläufe

          Immer wenn ich in Berlin bin, habe ich mich unter anderem bei meinem Arzt-Freund seit langen Jahren sehen zu lassen. Auch, um die Gesundheit leicht zu checken. Aber vor allem, um nicht später einmal sagen zu brauchen: "Sie/ihn habe ich das letzte mal bei der Beerdigung von ... getroffen." Wer Freunde haben und halten will, dem darf der Weg zu jenen nie zu lang sein. Bei echter Freundschaft setzt das Prinzip Gleichwertigkeit der gegenseitigen Gaben aus. Zeit für den anderen ist auch ein Geschenk (siehe vorangegangene Post).

          Am Abreisetag herrschte in Berlin Winterwetter. Der Linienflug der Lufthansa nach Düsseldorf startete wegen Streik der Security dort verspätet, kam in Tegel entsprechend später an und konnte wegen Vereisungsbedingungen auch erst weit nach der planmäßigen Startzeit abfliegen. In Düsseldorf hätte das planmäßige Flugzeug nach Kiew bei unserer Landung schon 6 Minuten in der Luft sein müssen. Man bat uns, uns etwas zu beeilen, um auch mitgenommen zu werden. Kein Problem.

          Der Flug verlief sehr normal - außer, dass die Ukraine unter uns in Neuschnee verpackt war. Die Überraschung folgte - am der Gepäckausgabe. Vier Reisende waren von ihrem Gepäck in Düsseldorf nicht eingeholt worden. Es hatte das Umsteigen nicht geschafft. Also Ausfüllen der Verlustanzeigen. Nur mit Handgepäck bewaffnet, kam ich daheim an. Sehr zur Verwunderung meiner Eheliebsten, welche in eine positive Lösung ihr Vertrauen nicht investieren wollte. Also bekam ich das zu hören, was den meisten Ehemännern als Gardinenpredigt bekannt ist.

          Das Internet machts möglich - ich fand die Suchfunktion - und meinen Koffer, zumindest als Information. Als er nach zwei Tagen wohl verpackt vor unsere Haustür geliefert wurde, blieb meine Welt in Ordnung - bei meiner Frau bekam sie einen neuen Strich dazu. Lufthansa hat bei ihr gepunktet. Ich überlege jetzt, mit welchem Trick ich mir auch in der Zukunft das Kofferschleppen nach Hause ersparen kann...

        Zurück zum ersten Absatz. Als ich nach der Landung daheim anrief, hängte Natascha mit den Worten auf: "Ich bin bei einer Beerdigung, rufe zurück." Das war extrem unerwartet. Als sie mich anrief - ich war schon im Kleinbus unterwegs nach Belaja Zerkov - wollte sie mir keinen Namen nennen. Ich konnte mit dem Hinweis, dass ich säße, diese Blockade brechen. Allerdings war die Information hart: P. D., ein sehr guter Bekannter mit fast Freundesstatus, war ganz überraschend aus dieser Welt gegangen. Ein sehr gerechter Mensch, mit hintergründigem Humor, umfangreichem Wissen und sehr geschickten Händen... Ihn und seine Familie hatte ich vor etwa sechs Wochen letztmalig besucht. Also keinen Grund, mir ihm Sinne des ersten Absatzes im Post Vorwürfe zu machen. Sondern mir zu bestätigen: die Wege zwischen Freunden sind gleich lang von jeder Seite. Scheue nicht den Weg. 

Bleiben Sie recht gesund!

Ihr

Siegfried Newiger





Ereignisse

          Um den vorherigen Post fortzusetzen:   "Betrachte einmal die Dinge von einer anderen Seite, als du sie bisher sahst, denn das heißt ein neues Leben beginnen." So endete der. 
         
          Das Treffen von uns zweien in Berlin war ein solches Ereignis. 
          Unsere Freundschaft begann vor rund 57 Jahren damit, dass wir uns um die Bettplätze des Doppelbettes  in dem Schlafraum eines Kasernengebäudes bewarben und der unterlegene Ich in die obere Etage musste. Wir hatten uns acht Jahre nicht gesehen. Die eineinhalb Stunden vergingen wie im Flug - wir sind mit meiner Frau für unseren nächsten Besuch in Berlin unbedingt zu ihm in sein Haus eingeladen. In die Nähe der Lessingstadt Kamenz, aus der er zum Treffen gekommen war.

          Am selbigen Abend ging ich, von Heckticket mit einenm Billet zur Hälfte vom Preis des regulären Tickets versorgt, in "Die Distel" - das kleine Kabarett am Bahnhof Friedrichstraße. Trotz des interessanten Programms in meiner Muttersprache Deutsch bekam ich nur etwa 60 % vom Sinn mit - mir fehlten die aktuellen Bezüge, welche mit Namen von Politikern oder anderen, skandalumwitterten Personen verbunden waren. Erst am folgenden Tag erfasste ich, wie Herr Mehdorn die endgültige Bruchlandung am Projekt Großflughafen begleiten soll - um eins der aktuellen Beispiele zu nennen. So macht sich die jahrelange Abwesenheit aus der Heimat bemerkbar.

          Zwei Tage später war ich bei meinem Vermieter, der gleichzeitig die seltene Post an mich aufbewahrt. Auf dem Rückweg kamen plötzlich unter einem Torbogen zwei kleine, junge und niedliche Chinesinnen auf mich zu. In Englisch, dass ich nicht spreche, fragten sie mich nach dem Weg zur S-Bahn. Twittereingebildet sagte ich: "Follow me, please." Sie strahlten und setzten ihre Fragen fort, denen ich nichts entgegensetzen konnte. "I speake Russian, no English." war sicher nicht exakt - aber die gutwilligen Mädchen verstanden. Zumindest setzten sie ihr Gespräch in heimischer Sprache fort. 
          In der S-Bahn nach Zoologischem Garten baten sie mich mit Gesten, eine von ihnen großväterlich zu umarmen. Die andere fotografierte. Da fasste ich allen Mut und ein paar Brocken zusammen und sagte: "My daugther learn in China your language." Die beiden parlierten erneut in Chinesisch, eine griff in ihre Handtasche und überreichte mir einen winzigen Plüschpanda. "Thank you very much." sagten sie im Chor, denn der Zug hielt im S-Bahnhof Zoo. Von draußen winkten sie noch lange. Nicht gerade ein Abenteuer - aber ein nettes Erlebnis.

          Als mir auf dem Weg zum Hostel in der überfüllten S-Bahn am vorletzten Tag in Berlin ein junges Mädchen seinen Sitzplatz anbot, war ich endgültig belehrt worden, dass die Zeit doch ihre Spuren auch an mir hinterlässt. 
          Aber noch werde ich nicht aufgeben. Das Leben ist und bleibt interessant.

Bleiben Sie recht gesund!

Ihr

Siegfried Newiger






Dein Tag

          Ein kluger Mensch - Mark Twain - hat formuliert: "Gib jedem Tag die Chance, der glücklichste in deinem Leben zu werden." Das Motto hat mich motiviert. Da wartet man nicht unbedingt darauf - aber einen kleinen Kick gibt es schon, wenn du deinem Spiegelbild morgens gleich die Frage stellen kannst: "Was hat das Schicksal heute auf der Pfanne?"

          Als ich vorige Woche in Berlin war, zur turnusmäßigen jährlichen Kontrolle meines Herzschrittmachers, sagte die Kardiologin, dass wir uns in einem Jahr wiedersehen würden. Meine Bemerkung, dass bei meinem Alter ich kaum dafür garantieren könne, wischte sie mit der Prognose vom Tisch: "Nach ihrem EKG und dem Prüfbericht des Schrittmachers bin ich sicher, dass wir einander in einem Jahr treffen." Da ist doch gleich Optimismus angesagt - oder?
          Dagegen kann auch die Nachricht nur schwach die Sonne verdunkeln, dass die uns bekannte Mutter der Frau meines Cousins gestorben ist. Oder dass die immer resolut gewesene, sehr direkte und deshalb auch geachtete Frau eines ehemaligen, heute befreundeten Chefs an Lungenkrebs im letzten Stadium leidet. Auch andere Nachrichten in und aus der Heimat, die mich fast wie Heinrich Heine zu den Versen inspirierten: "Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht..." - sie können das fast unendliche Vergnügen am eigenen Wohlergehen nicht vermindern. Der Lohn für Abhärten und gesunde Lebensführung wird selten so intensiv empfunden.

          Da kommt  das Erlebnis "Hostel" auch nicht gegen an, das noch vor der medizinischen Prozedur begann. Der Name tut nichts zur Sache, ärgern kann man sich auch bei anderen. Preiswert, aber nicht nur. Die internationale Tourismus-Ausstellung hatte keine andere Wahl gelassen. Gegen 22 Uhr eingecheckt. Den Schlüssel des Vertrauens vom Tresen genommen und in die fünfte Etage ohne Lift, dafür mit Gepäck. Ins Zimmer, Licht eingeschaltet, Schuhe und Jacke abgelegt - Licht aus, ohne Vorwarnung. Also Handylampe an, Tür abgeschlossen, ausziehen und ab ins Bett. Fernseher nicht einschaltbar, weil Stecker und Kabel von Vorgängern getrennt worden waren, aber noch nicht wiedervereinigt. Als der Schlaf nur noch Sekunden entfernt war, ging das Deckenlicht wieder an. Was ich dachte, hatte wenig mit dem glücklichsten Tag zu tun. Erst am Morgen bemerkte ich, ausgeschlafen, die auf dünnem Fuß in der Ecke hinter dem Schrank vorhandene, funktionierende Stehlampe...
          Meine Beschwerde wurde zur Kenntnis genommen, die Lampe hatte offensichtlich funktioniert und war folglich zu meiner Marotte erklärt worden. Sie spielte das an-aus- Spiel jeden Abend bzw. Morgen wieder. Beim ausgewechselten Fernseher funktionierte das Bedienpult nicht und später ging ihm selbst das ebenso - ich las also Zeitung und hörte Nachrichten vom Handy...
          Weil im Hostel auch kein Internetanschluss existierte, habe ich mehr als eine Woche nichts posten können. Bitte meine treuen Leser um Nachsicht.

          Die Schwester Sybille beim Orthopäden empfing mich vor einer Gruppe zu registrierenden Patienten mit einer so charakteristischen, humorvollen, aber so ganz unerwarteten positiven Bemerkung, dass ich mich sofort mit einem ukrainischen Scherz revanchieren musste. Was mir ihr Chef dann riet, konnte dank sehr gefälliger Röntgenologen in den Zeitplan eingeordnet werden. Seine Abschlussdiagnose: "Sie kennen ihr Alter. So lange hat sie ihr Knochengerüst schon getragen. Nun erst treten bei ihnen Abnutzungserscheinungen auf. Also etwas vorsichtiger sein bei Bücken und Heben, heftige Bewegungen vermeiden."

          Von wegen, liebe Slawen - Alter ist keine Freude. Da halte ich es lieber mit dem Franzosen Jean Anouilh, der formuliert:
          "Die wahren Lebenskünstler sind schon glücklich, wenn sie nicht unglücklich sind."
          Denn es ist doch eine Frage der Sicht auf die Dinge - oder? Das hat vor rund 1900 Jahren schon der Römer Marc Aurel empfohlen:
          "Betrachte einmal die Dinge von einer anderen Seite, als du sie bisher sahst, denn das heißt ein neues Leben beginnen."  Mache ich fast jeden Tag. Ist sehr interessant.

Bleiben Sie recht gesund!

Ihr

Siegfried Newiger






       

Abschied

          Wir waren in Kiew. Aus traurigem Anlass. Unsere "Tante Maria", die Mutter unserer besten Freundin, war von ihren Leiden für immer erlöst. Das zu schreiben fällt schwer, wenn man nur ein Jahr jünger ist.
          Als wir das Trauerhaus erreicht hatten, gab es für mich eine Überraschung. Ich wurde in den Kreis derjenigen aufgenommen, welche der Verstorbenen besonders nahe gestanden hatten. Dadurch, dass mir ein  langes weißes  Handtuch um meinen linken Oberarm gewunden und verknotet wurde. Weil ich die damit verbundenen Verpflichtungen nicht kannte, machte ich mich erst einmal flüsternd kundig. Ich erfuhr, dass ich unter anderem auch einer der Sargträger sein würde.

          Nach dieser Information ging ich in den überfüllten Raum, in welchem die Verstorbene im offenen Sarg aufgebahrt war. Das ist in den slawischen Ländern, in welchen die Beerdigung innerhalb weniger Tage erfolgt, so üblich. Vor der Toten verneigte ich mich - die Sitte und meine Hochachtung vor Marias Lebensleistung verlangten das - auch die Ehrfurcht vor dem Tode selbst. Dann legte ich unsere zehn gelben Rosen zu ihren Füßen in den Sarg. Zehn - eine gerade Zahl - gehört mit zu den Landesbräuchen. Danach ging ich aus dem Raum. Mir als Ungläubigen widerstrebt es, die religiösen Zeremonien zu "erdulden". Bitte, das ist keine Abwertung - aber nicht mit beten zu wollen und sich auch nicht zu bekreuzigen - das anzusehen wollte ich den Gläubigen nicht zumuten.

          Nachdem der Priester die Messe gelesen hatte, kamen die Trauergäste aus dem Haus. Ich ging hinein. Etwas kräftigere junge Männer baten mich, nicht den Sarg, sondern nur die unter ihn gestellten Hocker hinaus zu tragen. Dort wollte man mich unter ein Schleppdach kommandieren, unter dem es dunkel ist. Weder die Tote würde vor dem Abschied zu sehen sein, noch könnte sie den reinen fallenden Schnee mit sich nehmen. Also verfügte ich laut: "Aufgebahrt wird sie hier (zwischen Haustür und Schleppdach - ich zeigte auf die Stelle und postierte da meine Hocker). Lasst sie den letzten Schnee mit sich nehmen." Die Menge gehorchte.

          Maria sah sehr ruhig aus. Bitte, meine Leser, verstehen Sie mich richtig. Vielleicht ist das Wort "gelöst" besser geeignet, diesen Ausdruck ihres Gesichts zu beschreiben. Wir kannten sie als immer um ihre sehr erwachsene Tochter besorgte Mutter, mit ein wenig Schalk in ihren Bemerkungen. Nun ging sie ein in die Ewigkeit - unser aller unumstößliche Zukunft. Der Gleichaltrige schaute auf sie mit dem Wunsch, ähnlich zu wirken, wenn seine Zeit gekommen ist.
          Der Priester, welcher nach der Aufbahrung erschien, bat nach seinen üblichen Zeremonien die Anwesenden, von der Toten Abschied zu nehmen. Das geschah durch einfaches Berühren ihrer Hände bis zu einem Kuss auf die Wange oder die Stirn. Die schon vorher eingetroffene Bläsergruppe intonierte das bewegende Lied von der Mutter, welche den scheidenden Sohn begleitet. Unter diesen Klängen nahmen ihre Enkel und unsere Freundin Abschied von Mutti und Oma Maria.

          Auf dem Friedhof alles eng und bei Vereisung glatt. Der Priester bat - sehr vernünftig - die Anwesenden um Vorsicht. Hier lasse ich alles aus, was mit den Vorgängen selbst verbunden war. Lediglich die Verteilung von Konfekt an die Anwesenden während der Zeremonie brachte mich ein wenig aus dem Gleichgewicht. Andere Länder - andere Sitten.

          Im Anschluss das Essen anlässlich der Beerdigung. Eingeladen waren viele - aber bei den aktuell herrschenden Wetterbedingungen waren etwa nur zwei Drittel der voraussichtlichen Teilnehmer gekommen. Die Tochter Marias kam zu mir mit der Bitte, wegen des vorwiegend weiblichen Publikums als erstes einige Worte zu sagen. Wir würden ihre Mutter gekannt haben und es sei Sitte, dass ein Mann die ersten Worte der Erinnerung spräche. Dieser Auftrag bewies mir: ich bin eingebürgert von den Menschen.
          Da mich das laut seiner Dienstanweisung (wie auch immer die kirchliche Regel heißt) ständige "Ewiges Gedenken" des Popen etwas genervt hatte, stand ich zum ersten Tost dieses Erinnerungsessens auf und sagte: "Als Gleichaltriger verspreche ich kein ewiges Erinnern. Unsere gute Maira lebt weiter in unseren Herzen, solange wir selber leben. Lasst uns deshalb alles tun, damit wir gesund bleiben und lange leben."
          Unsere Freundin bedankte sich später bei mir - auch andere Gäste kamen mit Anerkennung auf mich zu. Das war nicht mein Ziel. Denn eigene Gesundheit zu pflegen, zu stabilisieren - das ist meine Überzeugung. Sie können das auf  http://reich-weil-gesund. com  nachlesen.

Mit freundlichen Grüßen

ihr

Siegfried Newiger






Überraschung zum Geburtstag

          Wir waren im Marschrouten-Kleinbus unterwegs, zum 60-en Geburtstag des "kum" Mischa - auf Deutsch von Vetter Michael. Rund 90 km entfernt von Belaja Zerkov, in Rschitshew, am rechten Ufer des Dnepr gelegen.  Wir hatten noch einige Kilometer zu fahren, als mein Handy Signal gab. Klingeln ist der falsche Ausdruck - es sind ja melodischere Töne in Mode. Am etwa 1500 km entfernten Ende in Deutschland ein Freund und Unternehmer. Nach der Vorstellung die Frage: "Bist du gesund?" Scherzhaft: "Dank deiner Gebete ja." "Bist du frei verfügbar?" "Gefechtsbereitschaft Nummer 1!" "Dann brauche ich dich morgen in Lugansk!" 
          Da musste ich schlucken. Selbst wenn wir auf dem Hacken kehrt machen würden - in Kiew ein Ticket zu bekommen und bis zur Abfahrt des Zuges vom Kiewer Hauptbahnhof in das fast 700 km entfernte Lugansk zu kommen - ohne Hubschrauber unmöglich. Kurze Schilderung der Situation. Der dort angereiste Meister musste, weil der Konstrukteur mit russischen Sprachkenntnissen am Vortag dringend zurückgerufen wurde, sich einen Sonntag allein beschäftigen.

          Die Entscheidung wurde vertagt. Aber nach einer halben Stunde telefonisch bestätigt. Anreise Montag morgens um 08 Uhr. Natascha bewies erneut organisatorisches Supertalent.   Weil Sohn Pascha nicht erreichbar, wurde seine Freundin alarmiert, welche auf Arbeit war, aber eine dritte Person anrief und mit meiner Frau verband. Für mich wurde das entsprechende Ticket besorgt.

        Die Feier in kleinem Kreise mit 14 Personen wurde sehr gemütlich. Aus mehreren Gründen. Der Trinkspruch des Schwiegersohns beispielsweise. 
          "Michael Jakowitsch, wir gratulieren ihnen zum 180-en Geburtstag. Denn sie sind mit meiner Schwiegermutter verheiratet - da zählt ein Jahr für drei. Aus dieser Mischung ist meine Frau entstanden. Deswegen altere ich jedes Kalenderjahr um fünf Lebensjahre." Homerisches Gelächter der anwesenden Gäste - Schwiegermama eingeschlossen. Die guten Wünsche sind selbstverständlich, deswegen übergehe ich sie hier.
          Mein Tost: "Mischa, als ich im Sommer früh mit dem Hund spazieren ging, stand ein Mann mittleren Alters im Wasser, umarmt von einer üppigen Blondine. Sie küssten sich ganz selbstvergessen. Was Kennzeichen in seiner Badehose hervorrief. Ich ging rasch vorbei. Beim Abendspaziergang stand der selbige Mann wieder im Wasser, in den Armen eine schlanke Brünette. Mit der er sich leidenschaftlich knutschte. Als ich am nächsten Morgen an gleicher Stelle vorbeikam, hielt er eine Rothaarige umarmt. Wie die Frauen doch wechselhaft sind! Ich trinke auf unsere männliche Beständigkeit!"

          Dann ging das elektrische Licht aus. Noch heute auf dem ukrainischen Lande nicht eben selten. Aber elektronische Geräte mit Batterien halfen über die Zeit, in welcher die Musikbox schweigen musste. Kinder und Schwiegerkinder hatten sich intelligente kleine Spiele ausgedacht, an denen alle teilnahmen. Essen und Trinken waren reichhaltig und schmackhaft. Insgesamt ein gelungenes kleines Fest.

          Leider konnten wir am "Frühstück" - meine Mutti nannte das "Resteessen" - nicht teilnehmen, das gewöhnlich nicht weniger lustig ist als die Feier selbst. Wir mussten, um die Reise nach Lugansk zu schaffen, schon in aller Frühe aufstehen und heimfahren.
          Als wir beim obligatorischen Tee saßen, bekam eine Freundin der Familie einen Anruf. Von ihrem Sohn. Sie musste sich setzen und wurde kalkbleich. Sein bester Freund, Sohn einer guten Bekannten, war in der Nacht überraschend gestorben - nur 17 Jahre alt.

          So ist unser Leben. Der Tod immer daneben. Heute, da ich die Erinnerungen zum Geburtstag  schreibe, bekamen wir die Nachricht, dass "Tante Mascha", von der ich im Post "Noch leben" am 23.11.2012 in diesem Blog schrieb, heute Nacht für immer eingeschlafen ist. 
          
          Wir werden uns mit Ihnen gemeinsam über jeden Tag freuen, an dem wir aufwachen und gesund sind. Versprochen?

Bleiben Sie recht gesund!

Ihr

Siegfried Newiger






Nur einmal im Jahr...

          Am 19. Januar wird von den orthodoxen Gläubigen in den slawischen Ländern der Tag der Wasserweihe (wodokreschtshenie) begangen. Diese geht - Frost vorausgesetzt - so vor sich, dass ein kreuzförmiges Eisloch herausgeschlagen wird, in welches nach den Zeremonien der Priester die gläubigen Frauen, Männer, Jugendlichen und Kinder steigen und, sich bekreuzigend, dreifach untertauchen oder zumindest bis an die Kinnpartie eintauchen. 
          Aus geweihten Brunnen wird an diesem Tag Wasser geschöpft oder es wird Quellwasser in Gefäßen in der Kirche geweiht. Dieses Wasser soll wohltätige, heilende Wirkung haben. Meine Schwiegermutter bewahrte eine Flasche voll solchen Wassers ein Jahr lang auf, um zu zeigen, dass es "nicht schlecht geworden war".

          Was ich hier nicht bespreche, ist die religiöse Komponente. Sie besteht in der Überlieferung, dass an diesem Tag Jesus im Jordan getauft wurde. Die Fernsehbilder aus der Gegend dort untermalen das. Auch dort betende Badende. Wer glaubt, wird selig - heißt es. Das muss ich mangels Gegenbeweis gelten lassen.  

          Nun zu zwei Elementen. Die angeblich die Gesundheit kräftigen. Zur Abhärtung - mit Gottes Segen dazu. Die ganze Sache habe ich mir einmal angesehen. Es ist ein Spektakel - ähnlich dem Weihnachtsmarkt, der auch anläßlich eines religiösen Ereignisses veranstaltet wird. Mit aktiven Teilnehmern, Zuschauern und Hilfskräften (Handtuch- und Bekleidungshalter und weitere...). Weil der überwiegende Teil der Teilnehmer sich diesen Spass einmal im Jahr leistet, hat die Gesundheit davon absolut nichts. Wer sich abhärten will, macht das bewusst durch tägliche Kaltwassergüsse, Auswahl seiner leichten Bekleidung,  andere prophylaktische Handlungen. Und ist so auch ohne Segen gesund.

          Das unsinnigste Beispiel, geweihtes Wasser zu nutzen ist es, dieses nach einem Jahr Lagerung vorzuweisen mit dem Kommentar: "Frisch wie am ersten Tag!" Als ich versuchte, meiner Schwiegermutter die Begründung zu liefern: bei Kälte entnommen, Inhalt an gelösten Stoffe deshalb extrem gering, bakterielle Belastung im unteren Grenzbereich - bekam ich einiges zu hören...
          Andere Anwender, welche das Wasser trinken oder vor allem Kleinkinder damit die Gesichter einreiben, die es aber schon aufgegeben haben mir die Anwendung zu loben, sehe ich regelmäßig in Polikliniken und Apotheken wandern. Ist wohl nicht das Allheilmittel, das geweihte Wasser.  

Bleiben Sie recht gesund!

Ihr

Siegfried Newiger





Zwerg "Killer"


          Es ist nicht immer leicht, sich zu beherrschen. Wir spazierten heute in etwas andere Richtung - der Hund und ich. Nach dem Einsturz der Holzbrücke über den Fluss ist unser Territorium sehr geschrumpft. Uns entgegen kam ein kleiner Junge. An der Leine führte er einen wirklich hübschen jungen Hund einer sehr kleinen Rasse. Der frei laufende Kai näherte sich dem Winzling mit freundlichem Wedeln seines Schwanzstummels. Der von mir auf etwa 7 Jahre geschätzte Knabe erwies sich als Zehnjähriger. Er schaute ein wenig ängstlich auf Kai - ich beruhigte ihn. Woher denn sein Hund sei. Vom Weihnachtsmann gebracht, für gute schulische Leistungen. Wie der kleine Rüde denn heiße? Es warf mich bald um - "Killer". Wer den Namen ausgesucht hat? Er. Die üblichen Bezeichnungen gefallen ihm nicht. Er wollte etwas Besonderes - wie auch der Hund. Ich bestätigte ihm lächelnd beides.

          Ein ganz anderes Thema entwickelt sich in der Nachbarschaft. Der Sohn des Nachbarn auf der anderen Flurseite - über 30 Jahre alt - hat sich einen Pitbull gekauft. Schon als der Rüde noch klein war, haben wir gewarnt. Er solle den an Leine und Maulkorb gewöhnen. "Unser Hund ist friedlich." - war die einzige Reaktion. 
          Als ich vor einigen Tagen aus dem Haus kam, lag dort die verfettete Hündin, gehalten auch in der Familie, von welcher die Rede ist. Unser angeleinter Kai als "Männchen" musste natürlich die Hundedame beschnuppern. Von der verschneiten Parkwiese kam der weiße Pitbull heran geschossen und fiel über unseren Spaniel her. Sein "Herrchen" hatte ihn frei und ohne Maulkorb ausgeführt. Das Tier reagierte auf den fremden Rüden aggressiv - wozu auch herangezüchtet. Der junge Mann sprintete erschreckt heran und riß seinen Hund hoch. Ich erklärte ihm, dass ich nun Maßnahmen ergreifen würde...
          Nach etwa 30 Minuten holte uns V. ein und bat um Entschuldigung. Er zeigte mir den bereits gekauften Maulkorb und versprach, in Zukunft mit dem Pittbull so spazieren zu gehen, wie sich das gehört.
          Am Nachmittag hatte ich - im Interesse aller Ein- und Anwohner - die Beschwerde schon formuliert. Allerdings meinte meine gutmütige Frau, wir sollten Gnade vor Recht ergehen Lassen. Also blieb das Schriftstück liegen. 
          Als ich gestern vom Bauernmarkt kam und mit einem Nachbarn ein wenig plauderte, rannte plötzlich der Pittbull, frei von Leine und Maulkorb - an uns vorbei, auf die Straße. Hinterher gehechelt, ohne Erfolg allerdings, der wortbrüchige junge Mann.

          Jetzt muss die Gerechtigkeit ihren Lauf nehmen. Die doppelte Beschwerde ist ausgedruckt, geht jetzt an den für diesen Wohnbereich verantwortlichen Polizisten, der hier noch Milizionär heißt.

          Meine Haltung: "Wer Gefahr sieht und nichts zu ihrer Beseitigung unternimmt, ist ebenso gewissenlos wie jener, der sie verursacht."

Bleiben Sie recht gesund!

Ihr

Siegfried Newiger





        



Auf ein Neues...



             Wenn man zu Gast in einem ukrainischen Dorf ist, um Neujahr zu feiern, ist das Internet manchmal sehr fern. Deshalb heute allen meinen Lesern die besten Wünsche zum Neuen Jahr. Gesundheit wünsche ich Ihnen, Lebensfreude und Erfolge! Erlauben kann ich mir das auch deshalb, weil hier jetzt erst das sogenannte „alte Neue Jahr“ begangen wird. Gemeint ist Neujahr nach dem julianischen Kalender, zwei Wochen später als nach dem allgemein genutzten gregorianischen.
            Deshalb ruht in den slawischen Staaten – auch in Verbindung mit dem aus gleichem Grund „verspäteten“ orthodoxen Weihnachtsfest – die Geschäftstätigkeit fast bis Mitte Januar. Das alles hat noch damit zu tun, dass die riesigen Dimensionen der einstigen Sowjetunion erforderten, Winterurlaub und Transportmöglichkeiten irgendwie zu koordinieren. 
          Die Ukraine ist flächenmäßig doppelt so groß wie Deutschland, aber nur von etwa halb so vielen Menschen besiedelt. Die Entfernung zwischen Lwow im äußersten Westen und Kiew beträgt 540 km, zwischen Kiew und der am weitesten östlich gelegenen größeren Stadt Lugansk 800 km. Schauen Sie einmal auf die Karte. Die noch größeren Probleme mit dem in-Urlaub-fahren hat Russland. Ist aber hier nicht das Thema.

          Die Schnee- und Frostperiode wurde nur ein wenig unterbrochen von Tauwetter. Die Zeit, in der ich besonders auf Kinder achtete. Die glitschigen Fußwege wurden durch sie unbekümmert zu Rutschbahnen umfunktioniert. Haben wir in der Jugend auch gemacht. Also nicht schimpfen, sondern sich diese zusätzlich geschaffenen Gefahrenstellen merken.
          Wir hatten heute in der Frühe wieder - 9 Grad Lufttemperatur und nachts war leichter Schnee gefallen. Als wir mit dem Hund fast am Stadtpark angelangt waren, kam uns ein Mann entgegen gelaufen - nur in Sporthose. Mit einem Handtuch in einer Hand - deutlich vom Eisbaden. Porfirij Iwanow von heute. Zu dem mal bei Wikipedia nachfragen. Als er auf unserer Höhe war, wünschte ich ihm guten Tag und stabile Gesundheit.
          Am Fluss können wir nicht mehr spazieren gehen, Die Holzbrücke, von der hier mit Fotos im Post "Die Brücke" berichtet wurde, ist doch eingestürzt. Eine neue? Nicht abzusehen. 

          Rasch noch zu drei lustigen Anekdoten - zwei davon nicht erfunden. Man sagt hier: "Wir lachen, um nicht weinen zu müssen."

          Am Morgen des 1. Januar - gegen 11 Uhr - sitzen einige Männer beim Bier - zum Ausnüchtern. Einer Fragt: "Männer, ohne zu schwindeln: hat jemand von euch heute in der Frühe seine ehelichen Pflichten erfüllt?" Der Unscheinbarste von allen: "Ich!" ??????? "Habe den Abwasch erledigt."

           Einem alten Seebären wird die Frage gestellt, ob er sich je im Leben erschreckt hätte. "Ja. Wann, weiß ich nicht mehr. Nur, dass wir Spielzeug geladen hatten, darunter 100.000 Puppen. Als wir in einen Sturm gerieten und das Schiff plötzlich starke Schlagseite bekam, schrien die im Chor "Mama!" "

          Eine Verkäuferin auf dem größten Markt in Charkow, dem im Volk so genannten "Barabaschka" (Trödel) hatte gute Geschäfte gemacht und wollte sich gegen Diebe sichern. Deshalb verbarg sie den Großteil der Einnahmen im Slip. Allerdings hatte ein Dieb die Bewegungen beobachtet und richtige Schlussfolgerungen gezogen. Als sie zur Toilette ging, wurde sie plötzlich von fünf Kerlen umgeben, die sie festhielten und zu "kitzeln" begannen. Geschrei und saftige Flüche halfen nichts. Allerdings begann sie plötzlich wie verrückt zu lachen. Die Diebe hatten die Slipeinlage mitgehen lassen.

Bleiben Sie recht gesund!

Ihr

Siegfried Newiger